Im Jahr 1110 ereignete sich eine bemerkenswerte Mondfinsternis, die in der Peterborough Chronicle, einer Chronik aus dem 12. Der Bericht beschreibt ein ungewöhnliches Ereignis, bei dem der Mond nicht nur verdunkelt wurde, sondern sein Licht vollständig zu erlöschen schien. Dieser seltene Anblick des Himmels wirft Fragen auf und fasziniert nicht nur Astronomen, sondern auch Historiker.
Der Eintrag in der Chronik beschreibt eine Nacht im Mai, in der der Mond allmählich an Helligkeit verlor, bis er im Laufe der Nacht ganz verschwand. Eine Mondfinsternis, die sich am 5. Mai 1110 ereignete, erklärt dieses Phänomen, aber die Beschreibung des Chronisten enthält einen rätselhaften Aspekt. Eine Mondfinsternis sollte den Mond nicht vollständig verdunkeln, da immer ein Teil des Sonnenlichts durch die Erdatmosphäre gestreut wird.
Die Beobachtung eines „völlig verfinsterten“ Mondes bei klarem Himmel und hellen Sternen gab Anlass zu Spekulationen. Die Lösung dieses Rätsels liegt in der Wissenschaft der Astronomie und der Umweltgeschichte. Eine spezielle Skala, die Danjon-Skala, misst die Dunkelheit einer Mondfinsternis, und eine Finsternis mit dem Wert L=0 bedeutet, dass der Mond praktisch unsichtbar ist.
Der Schlüssel zur Erklärung dieses rätselhaften Phänomens liegt in der Atmosphäre und ihrem Staubgehalt. Staubpartikel in der Atmosphäre können das Licht beeinflussen, besonders wenn sie eine große Entfernung zurücklegen müssen. Dieser Staub könnte durch einen Vulkanausbruch in die Atmosphäre gelangt sein. Die Rekonstruktion von Forschenden aus der Schweiz, Frankreich, England und Irland zeigt, dass es zwischen 1108 und 1110 mehrere Vulkanausbrüche gab. Die Daten stammen aus Analysen von Eisbohrkernen und Baumringen, die als Archive vergangener Umweltbedingungen dienen.
Die Studie legt nahe, dass der Asama, ein aktiver Vulkan auf der japanischen Insel Honshū, für die Sonnenfinsternis von 1110 verantwortlich sein könnte. Historische Aufzeichnungen über Ausbrüche des Asama stimmen zeitlich mit den beobachteten Veränderungen der atmosphärischen Bedingungen überein. Die Forscher schließen daraus, dass der Staub dieses Vulkanausbruchs die ungewöhnlich dunkle Mondfinsternis verursachte.
Auch wenn diese Entdeckung unser Weltbild nicht verändert, zeigt sie doch auf faszinierende Weise, wie verschiedene Disziplinen wie Astronomie, Umweltgeschichte und Geschichtsschreibung zusammenwirken können, um ein historisches Rätsel zu lösen. Der Blick auf den verschwundenen Mond von 1110 zeigt, wie die Kombination von alten Texten, modernen astronomischen Erkenntnissen und naturwissenschaftlichen Daten die Geheimnisse vergangener Ereignisse entschlüsseln kann.