„Da geschah es eines Nachts, dass ich, nach der Betrachtung der Sterne und des Mondes für Höheres empfänglich geworden, auf meinem Bette einschlief“
Johannes Keplers „Somnium“, posthum 1634 veröffentlicht, gilt als eines der ersten Werke der Science Fiction. In diesem Buch verbindet Kepler wissenschaftliche Erkenntnisse mit Fiktion und träumt von einer Reise zum Mond. Die Geschichte beginnt mit der Lektüre eines Buches über die mythologische Figur Libuše und führt Kepler in einen Traum, in dem er das Leben des Isländers Duracoto und seiner Mutter, einer Hexe, erforscht. Duracoto lernt unter der Anleitung des Astronomen Tycho Brahe die Geheimnisse der Astronomie und wird schließlich von seiner Mutter und Dämonen auf eine Reise zum Mond geschickt.
Keplers Schilderung der Mondfahrt ist geprägt von seinen profunden astronomischen Kenntnissen. Er beschreibt detailliert, wie die Sterne und die Erde vom Mond aus erscheinen würden, einschließlich der Erdphasen und der scheinbaren Bewegung der Sterne. Interessanterweise erkennt Kepler die Bedeutung von Gewichtsbeschränkungen für Raumfahrer und beschreibt, wie die Reisenden vom Mond aus durch „die Kraft des Pulvers“ und „Opiate“ betäubt in den Weltraum geschleudert werden – eine frühe Vision von Raketenstarts und der Notwendigkeit, Astronauten vor den Strapazen des Weltraumflugs zu schützen.
„Somnium“ enthält auch phantastische Vorstellungen über das Leben auf dem Mond. Kepler spekuliert über die Anpassung von Pflanzen und Tieren an die extremen Bedingungen der langen Mondtage und -nächte. Seine Beschreibungen zeigen ein tiefes Verständnis für die Anforderungen eines Lebensraumes, der sich stark von der Erde unterscheidet.Trotz der fiktiven Elemente spiegelt „Somnium“ Keplers realwissenschaftliche Ansichten wider. Seine Überlegungen zum Leben auf dem Mond basieren auf den Umweltbedingungen, wie er sie sich vorstellte, und sind ein frühes Beispiel für die Anwendung wissenschaftlicher Prinzipien auf außerirdisches Leben. Diese Mischung aus Fakten und Fiktion machte „Somnium“ zu einem bahnbrechenden Werk, das die Grenzen zwischen Wissenschaft und Fantasie auslotet.
Keplers „Traum vom Mond“ ist ein Zeugnis seines Wissenschaftsverständnisses und seiner Fähigkeit, über den Tellerrand zu blicken. „Somnium“ zeigt, dass wissenschaftliche Forschung und Phantasie keine Gegensätze sein müssen, sondern sich ergänzen können, um neue Horizonte zu eröffnen.