„Icarus“ alias „MACS J1149 Lensed Star 1“ ist ein Stern in einer weit entfernten Galaxie. Sein Licht erreichte uns erstmals im Jahr 2013, nachdem es mehr als 9 Milliarden Jahre durch das Universum gereist war. Sichtbar wurde dieser Einzelstern durch ein faszinierendes Phänomen: Gravitationslinsen, die auf Albert Einsteins Relativitätstheorie beruhen.
Die Galaxie, in der sich Icarus befindet, trägt die Bezeichnung MACS J1149.5+2223, und das „Lensed Star 1“ in der offiziellen Bezeichnung erklärt, wie der Stern entdeckt wurde. Ein Galaxienhaufen, durch dessen Gravitationsfeld das Licht von Icarus abgelenkt wurde, ermöglichte seine Beobachtung. Dieses Phänomen, vergleichbar mit einer Brille, die Lichtstrahlen verändert, eröffnete der Astronomie die Möglichkeit, extrem weit entfernte Einzelobjekte zu erkennen.
Die Geschichte von Ikarus hat eine spannende Zufallskomponente. Die Beobachtungen begannen mit dem so genannten „Einstein-Kreuz“, das entsteht, wenn das Licht einer Galaxie durch Gravitationslinsen mehrfach abgelenkt wird. In diesem Fall fand man nicht nur ein Mehrfachbild einer Galaxie, sondern auch eines, in dem eine Supernova explodiert war. Durch die komplexe Anordnung der Gravitationslinsen ergab sich die Möglichkeit, die Supernova zu einem vorhergesagten Zeitpunkt erneut zu sehen.
Der eigentliche Zufall war, dass das Licht von Icarus entdeckt wurde, während die Astronomen nach der wiederholten Supernova suchten. Die Gravitationslinsen im Galaxienhaufen, die das Licht der Supernova wiederholten, verstärkten auch das Licht des fernen Sterns. Obwohl die Gravitationslinsen das Sternenlicht im Durchschnitt nur um das 50-fache verstärken sollten, spielte das Glück eine entscheidende Rolle.
Die optimale Position von Icarus zur Gravitationslinse, ähnlich einer perfekt sitzenden Brille, führte zu einer 2000fachen Verstärkung. Im Mai 2016 wurde der Stern durch eine zusätzliche Gravitationslinse in der Nähe von Icarus für kurze Zeit sogar viermal heller.
Die Beobachtung von Icarus eröffnet die Möglichkeit, nicht nur Informationen über den Stern selbst, sondern auch über die Gravitationslinsen zu erhalten. Der kurze Helligkeitsanstieg im Mai 2016 deutet auf ein kleines und dichtes Objekt hin, möglicherweise ein anderer Stern oder ein Schwarzes Loch. Solche Beobachtungen ermöglichen es, nicht nur weit entfernte Objekte zu studieren, sondern auch solche, die im frühen Universum existierten, und damit Einblicke in die Entstehung und Entwicklung des Universums zu gewinnen.